Aus dem Bundesgericht - Beweiswert eines polydisziplinären Gutachtens

Würdigung der Beweismittel 

Das Bundesgericht schreibt nicht vor, wie einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Es gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten. Vielmehr gilt es das gesamte Beweismaterial zu würdigen und bei der sich widersprechenden medizinischen Berichte die Gründe anzugeben, warum auf die eine oder andere medizinische These abzustellen ist. (BGE 125 V 352)

Zweck interdisziplinäres Gutachten 

Zweck interdisziplinärer Gutachten ist es, alle relevanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erfassen und die sich daraus je einzeln ergebenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in Gesamtergebnis zu fassen. (BGE 137 V 210).

Der abschliessenden gesamthaften Beurteilung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit kommt damit dann grosses Gewicht zu, wenn sie auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der an der Begutachtung mitwirkenden Fachärzte erfolgt. (Urteil 8C_425/2013). Eine solche zusammenfassende Beurteilung auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der einzelnen Gutachter oder unter der Leitung  eines fallführenden Arztes zur Zusammenführung und Darlegung der Ergebnisse aus den einzelnen Fachrichtungen ist ideal, aber nicht zwingend. (Urteil 8C_889/2015). 

Das Abstellen auf ein polydisziplinäres Gutachten ist daher nicht bereits deshalb rechtswidrig, weil keine abschliessende Konsensdiskussion stattgefunden hat. 

Die Frage ob ein Gutachten beweiskräftig ist oder nicht, beurteilt sich im konkreten Einzelfall. Mit anderen Worten verletzt das Abstellen auf ein polydisziplinäres Gutachten Art. 43 Abs. 1 ATSG nicht schon deshalb, weil einem Teilgutachten der Beweiswert abgesprochen wird. 

 

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