Änderung der Rechtsprechung Diagnose «Depression»

 

Im Monitoring «Psychische Gesundheit in der Schweiz» stellte ein Bericht 2016 fest, dass psychische Erkrankungen oft nicht erkannt, heruntergespielt und in ihrer individuellen, gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Bedeutung unterschätzt werden. Der obgenannte Bericht stellte fest, dass die allgemeine Inanspruchnahme wegen psychischer Beschwerden im Verlaufe der letzten Jahre stetig zugenommen haben. Während sich 1997 4.1% der Bevölkerung wegen psychischen Problemen behandeln liessen, stieg der Anteil 2012 auf 5.4%. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich dieser Wert bis heute nochmals erhöht hat.

 

Die Wissenschaftler Wittchen und Jacobi kamen, gemäss dem obenerwähnten Bericht zum Schluss, dass jede zweite Person irgendwann in ihrem Leben an einer psychischen Störung erkrankt. Aus der neueren epidemiologischen Arbeit von Wittchen und Jacobi (2011), in welcher Studien aus allen 27 EU-Staaten sowie aus der Schweiz, Island und Norwegen einbezogen wurden, geht hervor, dass pro Jahr mehr als ein Drittel der erweiterten EU-Bevölkerung an einer psychischen Störung erkranken. Das entspricht etwa 164.7 Millionen Menschen.

 

Die Depression ist immer unter den 2 Hauptgründen aufgelistet, welche zu einer Arbeitsunfähigkeit führt.

 

Das Bundesgericht der Schweiz hat vor langer Zeit bereits entschieden, dass leichte bis mittelgradige Depressionen keine Arbeitsunfähigkeit begründen können und somit kein Anspruch auf eine IV-Rente besteht. Im entsprechenden Urteil wird dies folgendermassen erwähnt:

 

«Weiter ist zu beachten, dass leicht- bis höchstens mittelgradige schwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar sind und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen»

 

Weitere Verschärfung im Jahre 2017

 

Im Jahr 2017 verschärfte das Bundesgericht seine Rechtsprechung nochmals indem es verlangt, dass bei einer schweren Depression, der Versicherte beweisen muss, dass seine Depression «therapieresistent» sei. Dieser Beweis ist faktisch nicht zu erbringen. Dies hat zur Folge, dass für Menschen welcher an einer schweren Depression leiden, der Zugang zu einer Rente faktisch verbaut wird. Stossend am Entscheid des Bundesgerichts ist zudem, dass Menschen mit einer körperlicheren Einschränkung und/oder Krankheit nicht den Beweis erbringen müssen, dass ihr leiden therapieresistent sei.  Zum Glück regt sich in der Zwischenzeit einen Widerstand aus Psychiatern gegen das Urteil des Bundesgerichts.

 

Eine schwere Depression führt für den Betroffenen dazu, dass er seine sozialen, häuslichen und beruflichen Aktivitäten nur unter erheblichen Schwierigkeit ausüben respektive nachgehen kann.

 

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